Die Auferstehung einer Kirche

Heidemarie Seblatnig
Exposé:
Die Rosenkranzkirche in Wien Hetzendorf wurde1909 von Architekt Hubert Gangl (1874 – 1932) im neuromanischen Stil erbaut.
Hubert Gangl war ein Schüler des Architekten Friedrich Schmidt, dem Erbauer des Wiener Rathauses.
Die Rosenkranzkirche entstand etwas später als die Wiener Staatsoper (1861-1869), die Ornamentik der Rosenkranzkirche erinnert in vielen Details an jene der Staatsoper.  Beide Gebäude wurden im 2. Weltkrieg beschädigt, die Wiener Staatsoper schwer, die Rosenkranzkirche nur geringfügig.
In den Fünfzigerjahren erfolgte die Renovierung beider Gebäude.
Bei der Wiener Staatsoper wurde darauf geachtet sie detailgetreu wiederherzustellen, bei der Rosenkranzkirche wurde unter dem Schlagwort „Renovierung heißt Erneuerung!“ der Intention der Erhaltung wertvoller Kulturgüter entgegengearbeitet. So fielen Teile der Außengestaltung und die gesamte künstlerische Innenausstattung der Rosenkranzkirche wie die Innenarkaden mit Korbbögen, Rosenkapitellen, Wandmalereien, der 12 m hohe Ziborienaltar, der noch in einem Modell, vom Architekten Gangl selbst verfertigt wurde, das Modell ist im Wien Museum zu sehen, einer radikalen Säuberung zum Opfer.
Ebenso wurden sämtliche Holzschnitzarbeiten, darunter ein 14 Holzreliefs  umfassender Kreuzweg des niederösterreichischen akademischen Bildhauers
Franz Zelezny entfernt. Einige Fragmente davon befinden sich heute im Depot der Erzdiözese Wien, Relikte der Heiligenfiguren, Engel und Altardekoration finden sich völlig zerstört im Keller der Rosenkranzkirche, der Großteil der Kunstwerke wurde vernichtet. Der Kronleuchter wurde eingeschmolzen.
Franz Zelezny (1883 –1932) war zu seiner Zeit ein angesehener Bildhauer, dessen Werke bis heute sehr gefragt sind.
Die Rosenkranzkirche war deshalb bemerkenswert, weil in ihr der Gedanke eines „Gesamtkunstwerkes“ verwirklicht wurde wie wir ihn sonst in keinem anderen Gotteshaus Wiens wieder finden. Architekt und Bildhauer entwarfen und führten die Kirche mit ihrer Inneneinrichtung bis ins kleinste Detail nach einem gemeinsamen Konzept aus.  

 

The Resurrection of  a Church

Short content
Heidemarie Seblatnig
The church was built in 1909 by the Viennese architect Hubert Gangl (1874 - 1932) in the neo-romanesque style. Hubert Gangl was a disciple of the Austrian architect Friedrich Schmidt, architect of the town hall of Vienna. The artistic design of the interior by the sculptor Franz Zelezny was destroyed in 1957 and is documented by many photos and the ciborium altar, a work of architect Gangl, exists as a model in the Historical Museum of Vienna. The Rosary Church was created somewhat after the National Opera House of Vienna (1861-1869), but the ornamental style of the Rosary Church recalls the National Opera House in many of its details. Both buildings were damaged during World War Two; whereas the Opera House was badly damaged, the Rosary Church received only light damages. Both buildings were repaired during the 1950ies. The rebuilding of the Opera House was done with great respect to the details of the original. The Rosary Church was "cleaned" of parts of the exterior design and the integrity of the artistic interior design, as well as the interior arcades with its round arches, rose-capitals, and its frescoes. The altar piece, measuring twelve meters and executed by the architect himself, was also removed. Also, all wood sculptures were removed, among them a via crucis made up of 14 wood reliefs designed by the academic sculptor Franz Zelezny. The latter are now partly in storage rooms, or have been destroyed. Franz Zelezny (1883 -1932) was, in his time, an acknowledged sculptor, and his works stay appreciated until today.